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Vortrag: Der Modellcharakter von Kunst für das Gelingen von Inklusion

Vortrag zum Jubiläum von Marianne Garbe

 

Sehr geehrte Gäste, wie kommt man auf so einen Titel ?

Und was behauptet er ?

 

In diesem Fall meint „Modellcharakter“ dass Kunst und Inklusion etwas Gemeinsames haben, und das wir, beim Nachdenken über „ Kunst „ auch erkennen können, was „ Inklusion „ bedeutet und warum und wie wir durch das eine für das andere lernen können..

 

Das Gemeinsame was beide haben ist : das ANDERSSEIN, das FREMDSEIN und damit verbunden die ANGST davor.

 

Aber machen wir einen Schritt nach dem anderen : mit „ KUNST „ meine ich hier alle authentisch gestalteten individuellen Ausdrucksformen, sei es in der Bildenden Kunst ( z. B.: Malen), der Musik ( z.B.: Komponieren ) ,der Literatur ( z.B.: Schreiben ) oder in anderen Ausdrucksformen, in denen Kunst erscheint,

und die Zielgruppe von Inklusion umfasst bei diesen Überlegungen nicht nur Menschen mit Handicaps, sondern z. B.: auch Asylbewerber , Menschen mit anderen Lebenskonzepten und /oder Glaubensrichtungen, kurz Menschen, die uns fremd sind oder fremd vorkommen.

 

Bei aller Offenheit und Neugier, die uns als Kindern eigen war, und die uns die Welt entdecken ließen , haben wir während des Älterwerdens auch Werte und Normen der Gesellschaft übernommen, zu denen leider auch gehört, dass möglichst alles so bleiben soll, wie es ist und Neues, oder gar Fremdes störend empfunden, kritisch gesehen u. o. abgelehnt wird.

 

Was an der Kunst, die uns befremdend gegenüber tritt oder uns mit uns selbst konfrontiert, lässt uns denn kopfschüttelnd sagen „ das verstehe ich nicht „ oder „ so was verrücktes „ oder noch schärfere Ablehnungsbekundungen?

 

Kunst ist wie Wissenschaft u. a. eine Form der Erkenntnis und zeigt neben dem , wie die Welt ist, fast immer auch Möglichkeiten, wie sie auch und eben anders sein könnte…und genau das können u. wollen wir - manchmal - nicht sehen, im extremsten Fall macht es uns Angst .

 

Einmal : weil wir uns doch so schön eingerichtet haben, mit dem wie es ist, oder zum anderen, weil es anstrengend ist, sich auf etwas einzulassen und noch anstrengender, sich oder Seh – oder andere Gewohnheiten zu verändern…und es könnte ja auch sein, dass es nicht bei der einen Veränderung bliebe.

 

Dass das Leben ein einziger Veränderungsprozess ist, verlangt von uns auch ohne zusätzliche Herausforderungen schon genügend Flexibilität. Aber während wir zum Beispiel sehr gerne Abwechslungen suchen, neue Kleidungsstücke kaufen oder in andere Länder fahren, reagieren wir eher genervt, wenn uns etwas nicht gleich verständlich erscheint ebenso, wie wenn eine fremde Person ungefragt „unsere Kreise stört".

 

Kunst aber, die nicht nur gefallen will, zeigt sich oft dadurch, dass sie sich nach und nach erschließt, und selbst der Künstlerin o. dem Künstler erst viel später bewusst werden lässt, was da zum Ausdruck gekommen ist..Diese Offenheit während des Gestaltungsprozesses, dieses sich einlassen auf das fast ohne Zutun zum Ausdruck kommende, ist der Freiraum in dem man sich selbst begegnen und nach und nach erkennen kann.

 

Und dazu braucht man nicht viel Mut, man muss nur den Einflüsterungen von allen Seiten zum Trotz in sich hinein hören und dem eigenen Gefühl nachgeben.. Wem das gelingt, verliert zunehmend die Angst, nicht gut genug zu sein, oder die Angst vor dem Unbekannten in sich selbst ebenso wie vor den und dem Fremden.

 

Jeglicher künstlerische Prozess, jede kreative Idee macht einen Unterschied zu dem Bestehenden, bringt eine andere Facette der Welt, des Lebens zum Leuchten und bereichert uns..Jeder Mensch, ob normal, ver- rückt, behindert, traumatisiert durch Flucht, Misshandlung oder Ignoranz hat etwas ganz besonderes beizutragen zu „ dem Ganzen „ das eben dadurch erst ein Ganzes werden könnte .

 

Bedauerlicher weise ist unsere Welt so konzentriert auf Materielles, dass der jeweilige individuelle Reichtum, die Phantasie, die Kreativität und die unterschiedlichen kulturellen Qualitäten einerseits nahezu ignoriert werden, oder andererseits durch Kommerzialisierung enteignet werden, was ihre revolutionäre Kraft schwächt.

 

Kunst wiederum rettet die Spielräume der Kindheit in`s Erwachsenenalter und wir können dem Inklusionsprozess entgegenkommen, indem wir uns an die Offenheit, die Neugierde und an das Staunen erinnern, mit dem wir in unserer Kindheit Neuem und Fremdem begegnet sind.

 

Im Blauschimmel Atelier machen wir täglich die Erfahrung, mit welcher Direktheit und mit welcher Energie z. B. unsere TeilnehmerInnen unserem Leben andere Perspektiven eröffnen, uns Einblick gewähren in ihre Welt und wie sehr ihr Anderssein in der sogenannten normalen Welt fehlt.

 


Aber zurück zu dem Titel und der Behauptung, durch Einblicke in die Kunst, in künstlerische Prozesse und in das, was Künstlersein auszeichnet, könnte Inklusion besser gelingen :

 

Karl Kraus hat einmal gesagt : “ Kunst ist das, was Welt wird, nicht was Welt ist „ und damit ihr utopisches Potential beschrieben.

 

In der Kunst ist das Außergewöhnliche Bedingung für ihr Kunstsein und durch den Inklusionsprozess soll das Außergewöhnliche Normalität erlangen, dass heißt, wenn wir mit der Kunst bereit sind, einen neuen Blick auf die Welt, und darüber hinaus zu werfen, wagen wir uns vielleicht auch eher an gesellschaftliche Veränderungen heran..

 

Der Inklusionsprozess gelingt nicht, ohne die Umgestaltung der Gesellschaft, ohne eine Änderung der eigenen Haltungen, damit allen Menschen eine aktive u. gleichberechtigte Mitgestaltung ermöglicht wird.

 

Für unsere Gesellschaft wäre Inklusion ein großer Schritt zu mehr Menschlichkeit und Toleranz, was können Kinder, was können wir nicht alles lernen im Umgang mit so viel Unterschiedlichkeit….

 

Nichts, was nicht denkbar wäre und Gestalt annehmen könnte – in uns und durch uns.-

 


Copyright: Marianne Garbe




 



 
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